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JSPS Rundschreiben aus Wissenschaft und Forschung | Nr. 01/2010 | Ausgabe 72

Mit dem Regierungswechsel in Japan sind zahlreiche Änderungen einhergegangen, wie es sie in Japan bislang nicht gegeben hat. In dem vorliegenden Rundschreiben werden wir uns daher erstmals schwerpunktmäßig auf einen Themenbereich konzentrieren und verstärkt über Neuerungen im Bereich Wissenschaft und Forschung berichten.

Budgetumverteilungen

Per Kabinettsbeschluss vom 18.09.2009 wurde die im Kabinettsbüro angesiedelte Government Revitalization Unit gegründet (Vorsitzender: Premierminister Hatoyama), die unter schwerpunktmäßiger Berücksichtigung der Interessen der Bevölkerung die nationale Verwaltung (darunter Budget und nationale Verwaltungssysteme) reformieren soll. Anlässlich zunehmender Kürzungen des Budgets für Wissenschaft und Technologie werden Budgetumverteilungen vorgenommen. Im Schatten von Projekten wie dem Supercomputer scheinen unauffällige Projekte wie die Förderung von wissenschaftlichem Nachwuchs und Frauen ins Hintertreffen zu geraten.

Dem RIKEN BioResource Center, an dem Ver-suchsmaterialien wie Pflanzen, Tiere und Zellen gesammelt, gelagert und an Wissenschaftler verkauft werden, soll ein Drittel der staatlichen Zuschüsse für die Betriebsausgaben (jährlich 3 Mrd. Yen (24 Mio. Euro)) gestrichen werden. Nach eigenen Angaben können Fixkosten (ca. 1,5 Mrd. Yen (12 Mio. Euro)) wie Personalkosten nicht gekürzt und von den 1,5 Mrd. Yen (12 Mio. Euro) für Projektausgaben max. 500 Mio. Yen (4 Mio. Euro) gestrichen werden. Im Fiskaljahr 2008 wurden etwa 13.000 Materia-lien verkauft und dadurch ca. 120 Mio. Yen (966.506 Euro) eingenommen. Mit der Budgetumverteilung wurden auch Forderungen nach einer Erhöhung der Preise für die Materialien laut. Zwei Drittel der Bezieher sind jedoch japanische Non-Profit-Forschungseinrichtungen, von denen ein Großteil Forschungsgelder der Regierung erhält. Nach Angaben von Institutsdirektor Yuichi Obata würden Preiserhöhungen folglich auf den Staat zurückfallen. Andere könnten vermutlich nicht zahlen und kämen mit ihrer Forschung nicht weiter. Ferner ist es eine internationale Praxis bei Bestellungen aus dem In- und Ausland keine Preisunterschiede zu machen, wodurch Preiserhöhungen nur für Bestellungen aus dem Ausland schwierig würden.

Junge Wissenschaftler forderten bei einer Pressekonferenz am 01.12.09 in Tokyo die Fortsetzung des „Global COE Program“ (vgl. JSPS-Rundschreiben 03/2007), mit dem die Lehre an herausragenden Graduate Schools gefördert wird. Bei der Budgetumverteilung wurde entschieden, dass es sich um eine zu umfassende Förderung handelt und daher wurde ein Drittel der Mittel gekürzt.

„Die Spitzenforschung wird von Doktoranden und Nachwuchswissenschaftler unterstützt. Indem wir in sie investieren treiben Wissenschaft und Technologie Knospen und blühen auf. Die Ausbildung von Menschen, die in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen, ist eine wichtige Aufgabe.“, sagte Toshio Yanagida, Professor an der Osaka University.

Ferner wurden Kürzungen bei der Förderung von Wissenschaftlerinnen und eine Erhöhung ihrer Beschäftigungsrate gefordert. „Zur Förderung eines Landes, in dem Wissenschaft und Technologie eine führende Rolle spielen, muss man verschiedene Menschen mobilisieren.“, wider-spricht Akiko Tsugawa, Professor an der University of Tokyo. Auf Führungsebene des Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology (MEXT) wurden kritische Stimmen laut, die bemängelten dass es keine Übereinstimmung mit den bisherigen Maßnahmen gebe und bei Projekten unbekannter Wissenschaftler besonders stark gekürzt würde.

Von anderer Seite hieß es: „80 % der Bevölkerung unterstützen die Budgetumverteilung. Wir Wissenschaftler haben uns zu weit von der Bevölkerung entfernt und unsere Arbeit nicht ausreichend erklärt.“ Ferner fand am 04.12.2009 an der University of Tokyo eine Paneldiskussion

19 führender Gesellschaften aus den Bereichen Naturwissenschaft und Technik wie der Chemical Society of Japan, der Physical Society of Japan und der Japan Society of Mechanical Engineers zu den Entscheidungen im Rahmen der Budgetumverteilungen statt, bei der sich die Vorsitzenden der Gesellschaften nachdenklich zeigten.

Bestrebungen zur Schaffung eines Netzwerkes, in dem sich Wissenschaftler verschiedener Forschungsbereiche und mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Postionen generationenübergreifend zusammenschließen, weiten sich aus.

Am 6.12.2009 gab es in Tokyo eine Krisensitzung von Wissenschaftlern, die keine Nobelpreisträger sind. Etwa 40 Personen, darunter Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete und Unternehmer diskutierten über den für die Wissenschaft zukünftig einzuschlagenden Weg. Hervorzuheben sind Kommentare wie: „Vor der Budgetumverteilung muss man die Gesellschaft genau auf die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung hinweisen.“ oder „Zuerst müssen wir selbst die Verwendung der Gelder überdenken.“.

Der Organisator und Pathologe Eisuke Enoki (38), der bei den Regierungsmaßnahmen zur Wissenschaft und Technologie eine Beobachter-rolle hat, äußerte sich kritisch zu den Ansichten von Nobelpreisträgern und wissenschaftlichen Gesellschaften nach der Umverteilung. „Die Wissenschaftler halten ihre eigene Forschung für sehr wichtig und stellen Budgetforderungen. Für die Bevölkerung sieht es bloß so aus, als ob sie dieses und jenes haben wollen. Wir brauchen eine unabhängige Organisation, die die Hinweise zunächst entgegen nimmt, und bei der Einführung eigener Reformen die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung ausführlich erklärt.“ sagte er.

(Quellen: Mainichi 8.12.2009, Kabinettsbüro)
www.cao.go.jp/sasshin/index.html