JSPS Rundschreiben aus Wissenschaft und Forschung | Nr. 02/2010 | Ausgabe 73
JSPS-Rundschreiben, 02/2010, Nr. 73 (158 KB)
Neue Methode zur Diagnose psychischer Erkrankungen
Nach Aussage japanischer Wissenschaftler werden medizinische Einrichtungen in Japan bald in der Lage sein, psychische Störungen durch Untersuchung des Blutstroms im Gehirn von Patien-ten zu diagnostizieren.
Die Tokyo University, das National Center of Neurology and Psychiatry in Kodaira, West-Tokyo, und fünf andere medizinische Einrichtungen haben im Fiskaljahr 2004 mit einer gemeinsamen Studie zur Einführung einer objektiven Methode für eine genaue Diagnose psychischer Erkrankungen wie Depressionen oder verschiedener Formen der Schizophrenie begonnen. Dabei wird die Diagnose nach Messung von Veränderungen des Blutstroms im Gehirn mittels Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) gestellt. Im Versuch trägt der Patient eine helmähnliche Apparatur, die dem Arzt die Untersuchung des Blutstroms im Frontallappen ermöglicht. Das Team sammelte Bilder von etwa 1.000 gesunden Personen und ca. 500 Patienten mit psychischen Störungen. Die Forscher stellten bei den verschiedenen Erkrankungen typische Veränderungen im Blutstrom fest, mit denen sich psychische Störungen bei bestimmten Patienten nachweisen ließen, bei denen Ärzte vorher Schwierigkeiten hatten, eine Diagnose im persönlichen Gespräch zu stellen.
Das Tokyo University Hospital und einige andere medizinische Einrichtungen verwenden die Methode bereits. Den Ärzten psychiatrischer Abteilungen stehen nur wenige objektive diagnostische Methoden wie Blutuntersuchung oder bildgebende Verfahren zur Verfügung. Folglich kam es vor, dass verschiedene Ärzte unterschiedliche Diagnosen bei einem Patienten stellten.
Nach Aussage von Kiyoto Kasai, Professor am Tokyo University Hospital, ist das neue Verfahren eine große Hilfe für Patienten mit psychischen Störungen. Wenn Ärzte mit Patienten nur persönliche Gespräche führen, kann eine exakte Diagnose eine Weile dauern, und durch unzureichende Medikation könnte sich der Zustand des Patienten verschlechtern. Laut einer Umfrage des Ministry of Health, Labor and Welfare (MHLW) leiden etwa eine Million Japaner unter klinischen Depressionen und 700.000 unter verschiedenen Formen der Schizophrenie.
(Quelle: Yomiuri 10.04.2010)
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